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Richtig fragen: Sei mutig und sprich über sexuelle Gewalt

Fragen zu stellen kann sich manchmal ganz schön schwierig anfühlen. Man weiß nicht, wo man anfangen soll. Man fragt sich, was der Andere wohl denken mag. Oder man findet einfach nicht die richtige Gelegenheit, ein Thema anzusprechen.

Trotzdem ist es immer richtig nachzufragen und manchmal sogar ganz schön mutig. Ehrliche Antworten machen vieles leichter. Deshalb haben wir Frau Beckmann, eine Mitarbeiterin aus einer BeratungsstelleZum Lexikoneintrag für „Beratungsstelle“, zu den Themen sexueller Missbrauch und sexuelle GewaltZum Lexikoneintrag für „Gewalt“ befragt. Die Videos mit den Antworten gibt es hier. Sei gespannt!

Sollte deine Frage nicht dabei gewesen sein, dann kannst du jederzeit die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Nummer gegen KummerZum Lexikoneintrag für „Nummer gegen Kummer“ anrufen. Ihnen kannst du deine Sorgen und Probleme anvertrauen. Sie nehmen sich Zeit für dich.

"Trau dich!"-Reporterin Clara fragt die Sozialpädagogin Frau Beckmann Fragen zum Thema sexueller Missbrauch
Hallo, ich bin die Clara!
Videotranskription:

Trau-dich-Reporterin Clara:

"Hallo, ich bin Clara. Und ich bin für euch heute wieder in einer BeratungsstelleZum Lexikoneintrag für „Beratungsstelle“ in Dresden bei der Sozialpädagogin Frau Katrin Beckmann."

Was ist eine Beratungsstelle? Was mache ich, wenn mich jemand unangenehm berührt? Was ist eine Anzeige und muss ich zur Polizei gehen?
Videotranskription:

[Die jugendliche Reporterin ist in einem Beratungszimmer und interviewt die Sozialpädagogin Katrin Beckmann.  Das Interview beginnt.]

Reporterin Clara:

Hallo, ich bin die Clara und ich bin heute für euch in einer BeratungsstelleZum Lexikoneintrag für „Beratungsstelle“ in Dresden. Und habe einige Fragen an die Sozialarbeiterin Katrin Beckmann. Hallo Frau Beckmann. Als erstes interessiert uns, was eine BeratungsstelleZum Lexikoneintrag für „Beratungsstelle“ überhaupt ist und wer dort arbeitet.

Sozialpädagogin Katrin Beckmann:

Ja, also es gibt verschiedene Beratungsstellen, die alle zu ganz verschiedenen Themen arbeiten. Da gibt es zum Beispiel Beratungsstellen für erwachsene Menschen. Und dann gibt es aber auch Beratungsstellen für Kinder, die zum Beispiel Probleme in der Familie haben, oder in der Schule. Also mit Mitschülerinnen und Schülern. Und es gibt eben auch Beratungsstellen für Kinder, die sexuellen Missbrauch erlebt haben oder erleben. Und dort arbeiten dann Frauen und Männer, die eben eine ganz bestimmte Ausbildung haben. Die es also gelernt haben, sich mit Problemen anderer zu beschäftigen. Und die hören dir ganz aufmerksam zu und glauben dir. Das heißt, du kannst ihnen wirklich alles erzählen, was du möchtest. Wichtig ist noch, dass die BeratungZum Lexikoneintrag für „Beratung“ kostenfrei ist, das heißt, du musst kein Geld dafür bezahlen. Und sie ist anonym möglich, das heißt, du musst auch nicht deinen Namen sagen, wenn du das nicht möchtest.

Reporterin Clara:

Und wie kann ich mich verhalten, wenn mich jemand unangenehm angefasst hat?

Sozialpädagogin Katrin Beckmann:

Also erst einmal ist zu sagen, es ist nicht in Ordnung, dass dich jemand unangenehm berührt oder anfasst, denn niemand hat das Recht dazu, dies gegen deinen Willen zu tun. Es ist gut, dass du es jemanden erzählst oder schon erzählt hast. Auch wenn die Person vielleicht, die dich so anfasst, dir sagt, dass das ein GeheimnisZum Lexikoneintrag für „Geheimnis“ bleiben muss. Auch dann ist es wichtig es zu sagen, denn es gibt gute Geheimnisse und es gibt schlechte Geheimnisse und schlechte Geheimnisse darf man weitererzählen. Und sexueller Missbrauch ist ganz eindeutig ein schlechtes GeheimnisZum Lexikoneintrag für „Geheimnis“. Wenn dich jemand unangenehm anfasst, kannst du auch seine Hände wegdrücken und ganz laut „Feuer“ schreien oder „Stopp“ oder „Nein“ oder dich wegdrehen. Und wichtig ist, dass du dich einer erwachsenen Person anvertraust, das heißt, dass du es einer erwachsenen Person erzählst, der du vertraust.

Reporterin Clara:

Und eine letzte Frage hab ich noch: Was ist eine AnzeigeZum Lexikoneintrag für „Anzeige“ und muss ich zur Polizei gehen?

Sozialpädagogin Katrin Beckmann:

Eine AnzeigeZum Lexikoneintrag für „Anzeige“ zu machen, bedeutet der Polizei mitzuteilen, dass eine StraftatZum Lexikoneintrag für „Straftat“ geschehen ist. Eine StraftatZum Lexikoneintrag für „Straftat“ ist zum Beispiel Diebstahl oder Körperverletzung oder eben auch sexueller Missbrauch. Du musst das nicht gleich machen, also du musst nicht gleich zur Polizei gehen. Gut ist, dass du dir vorher überlegst, was du der Polizei sagen möchtest. Und das musst du aber nicht allein machen, sondern da kannst du dir deine Person beiseite ziehen, die dir dabei hilft und gemeinsam mit dir überlegt, was du erzählen möchtest und dich dann auch zur Polizei begleitet. Dabei kannst du dir eine vertraute Person suchen, du kannst „Die Nummer gegen KummerZum Lexikoneintrag für „Nummer gegen Kummer““ anrufen, oder zu einer BeratungsstelleZum Lexikoneintrag für „Beratungsstelle“ gehen.

Reporterin Clara:

Ja, vielen Dank Frau Beckmann, dass Sie sich Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten. Und ihr könnt euch jetzt gern auf unserer Seite umschauen. Hier findet ihr Infos, wie ihr euch vor sexuellem Missbrauch schützen könnt und an wen ihr euch wenden könnt, wenn ihr Hilfe Zum Lexikoneintrag für „Hilfe “braucht. Bis bald.

Was ist eigentlich sexueller Missbrauch?
Videotranskription:

Trau-dich-Reporterin Clara:

"Was ist eigentlich sexueller Missbrauch?"

Sozialpädagogin Frau Katrin Beckmann:

"Sexueller MissbrauchZum Lexikoneintrag für „Sexueller Missbrauch“ ist jede sexuelle Handlung, die an einem Kind oder vor einem Kind vorgenommen wird. Sexuelle Handlungen sind Verhaltensweisen, wie zum Beispiel küssen oder streicheln, die immer etwas mit Sexualität Zum Lexikoneintrag für „Sexualität “zu tun haben. Die Täter und Täterinnen nutzen dabei das VertrauenZum Lexikoneintrag für „Vertrauen“ oder die Angst der Kinder aus, um ihre eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen. Auch wenn Kinder sich nicht wehren, weil sie nicht verstehen, was das ist oder Angst haben, dass die TäterinZum Lexikoneintrag für „Täterin“ oder der Täter ihnen oder jemand anderem etwas noch schlimmeres antut, ist das Sexueller MissbrauchZum Lexikoneintrag für „Sexueller Missbrauch“ und verboten. Sexueller MissbrauchZum Lexikoneintrag für „Sexueller Missbrauch“ ist eine Form von GewaltZum Lexikoneintrag für „Gewalt“ und eine StraftatZum Lexikoneintrag für „Straftat“. Alle Erwachsenen wissen das."

Kann sexueller Missbrauch auch Jungen passieren?
Videotranskription:

Trau-dich!-Reporter Clara:

"Kann sexueller Missbrauch auch Jungen passieren?"

Sozialpädagogin Frau Katrin Beckmann:

"Jungen können auch OpferZum Lexikoneintrag für „Opfer“ von sexuellem Missbrauch werden. Mädchen werden jedoch etwa zweimal so häufig OpferZum Lexikoneintrag für „Opfer“ sexuellen Missbrauchs wie Jungen. Viele denken, dass Jungen, die sexuellen Missbrauch erlebt haben, schwul werden. Das stimmt nicht. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun."

Muss ich immer mit einem Erwachsenen reden oder kann ich mich auch anderen Kindern anvertrauen?
Videotranskription:

Trau-dich-Reporterin Clara:

"Muss ich immer mit einem Erwachsenen reden oder kann ich mich auch anderen Kindern anvertrauen?"

Sozialpädagogin Frau Katrin Beckmann:

"Es ist gut, wenn du mit jemand anderem reden willst. Du kannst dich natürlich erst einmal mit deinem besten Freund oder deiner besten Freundin austauschen. Wenn dir jemand vertrautes zuhört und dir glaubt, kann dir das schon gut tun. Vielleicht kannst du mit ihm /ihr gemeinsam dann zu einem Erwachsenen gehen, dem ihr beide vertraut, und diese Person um Hilfe Zum Lexikoneintrag für „Hilfe “bitten. Ihr könnt auch gemeinsam beim Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800-1110333) anrufen oder in einer BeratungsstelleZum Lexikoneintrag für „Beratungsstelle“ bei Euch in der Nähe."

Was mache ich, wenn der Sportlehrer immer genau dann in die Umkleidekabine kommt, wenn wir uns umziehen oder duschen?
Videotranskription:

Trau-dich!-Reporterin Clara:

"Was mache ich, wenn der Sportlehrer immer genau dann in die Umkleidekabine kommt, wenn wir uns umziehen oder duschen. Das ist doch doof. Was könnten wir dagegen tun?"

Sozialpädagogin Frau Katrin Beckmann:

"Also das ist doof. Und das Verhalten des Sportlehrers ist da auch nicht in Ordnung. Sucht euch eine erwachsene Person, der ihr vertrauen könnt und mit der ihr darüber sprecht. Bittet sie um Hilfe! Die anderen Erwachsenen sind dazu verpflichtet euch zu helfen! Wenn ihr Angst habt, dann redet auch über die Angst mit dieser Person, und welche Hilfe Zum Lexikoneintrag für „Hilfe “für euch am besten ist. Gemeinsam könnt ihr überlegen, was ihr tun könnt, damit es euch besser geht."

Muss ich jedes Geheimnis für mich behalten, auch wenn es komisch ist und ich mich dabei unwohl fühle? Darf ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen, auch wenn ich damit jemanden verraten würde?
Videotranskription:

Trau-dich!-Reporterin Clara:

"Muss ich jedes GeheimnisZum Lexikoneintrag für „Geheimnis“ für mich behalten, auch wenn es komisch ist und ich mich dabei unwohl fühle?"

Sozialpädagogin Frau Katrin Beckmann:

"Wenn dir jemand ein GeheimnisZum Lexikoneintrag für „Geheimnis“ erzählt, was dir komische GefühleZum Lexikoneintrag für „Gefühle“ macht, dir vielleicht auch Sorgen bereitet oder Angst macht, dann darfst du dieses GeheimnisZum Lexikoneintrag für „Geheimnis“ weitererzählen. Das ist kein Petzen!"

 

Ein Erzieher hat auf einer Klassenfahrt Bilder mit nackten Personen gezeigt. Wenn man sich in diesem Moment nicht traut, etwas zu sagen, was kann man trotzdem unternehmen?
Videotranskription:

Trau-dich-Reporterin Clara:

"Ein Erzieher hat auf einer Klassenfahrt Bilder mit nackten Personen gezeigt. Wenn man sich in diesem Moment nicht traut, etwas zu sagen, was kann man trotzdem unternehmen?"

Sozialpädagogin Frau Katrin Beckmann:

"Der Erzieher darf dir keine Bilder mit nackten Personen zeigen. Das ist nicht in Ordnung und eine StraftatZum Lexikoneintrag für „Straftat“. Alle Erwachsenen wissen das. Wenn dir diese Situation unangenehm war und du dich nicht getraut hast, etwas zu sagen, ist das völlig o.k. Suche dir eine erwachsene Person, der du vertrauen kannst und der du davon erzählst. Die Erwachsenen müssen dann dafür sorgen, dass der Erzieher das nicht wieder macht. Wenn du Angst vor dem Erzieher hast, dann erzähle auch das! Du kannst auch gemeinsam mit einer Freundin oder einem Freund dorthin gehen. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, dass du erst einmal keinen Kontakt zu diesem Erzieher mehr hast, wenn du es wünschst. Du kannst auch kostenlos beim Kinder-und Jugendtelefon (Tel.: 0800-1110333) anrufen oder in einer BeratungsstelleZum Lexikoneintrag für „Beratungsstelle“ für Kinder in deiner Nähe. Dort kannst du anonym anrufen, das heißt, du musst nicht deinen Namen sagen."

Wo kann ich Hilfe bekommen? Wer kann mir helfen?

Beratungsgespräch

Wo kann ich Hilfe bekommen? Wer kann mir helfen?

Wenn du Hilfe Zum Lexikoneintrag für „Hilfe “brauchst oder eine Frage hast, kannst du immer zu einem Erwachsenen gehen, dem du vertraust. Das können zum Beispiel deine Eltern, deine Lehrerin oder der Erzieher im Kindercafé sein. Du kannst aber auch kostenlos beim Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800-1110333) anrufen oder in einer BeratungsstelleZum Lexikoneintrag für „Beratungsstelle“ für Kinder in deiner Nähe. Dort kannst du anonym anrufen, das heißt, du mußt nicht deinen Namen sagen. Wenn du möchtest, kannst du auch eine gute Freundin oder einen guten Freund bitten, dich zu begleiten oder mit dir gemeinsam anzurufen.

"Trau dich!"-Reporterin Clara verabschiedet sich.
Und ihr könnt euch jetzt noch ein bisschen auf unserer Seite umschauen.
Videotranskription:

Trau-dich-Reporterin Clara:

"Und ihr könnt euch jetzt noch ein bisschen auf unserer Seite umschauen und zum Beispiel in unserem Lexikon stöbern. Viel Spaß dabei."